
„Das funktioniert doch sowieso nicht.“
„Das haben wir schon einmal versucht.“
„Ich habe gleich gesagt, dass das schiefgeht.“
Fast jedes Team kennt sie: die Bedenkenträger, Nörgler und vermeintlichen Besserwisser. Sie können Projekte ausbremsen, Diskussionen endlos machen und mit ihrer Haltung irgendwann auch die Stimmung im Team belasten. Und was machen wir als Führungskraft?
Oft reagieren wir irgendwann nur noch genervt.
„Der schon wieder.“
„Jetzt suchen Sie nicht immer das Haar in der Suppe.“
„Wir müssen auch mal nach vorne schauen.“
Die Bedenken werden vom Tisch gewischt – und damit häufig auch die Person.
Was, wenn hinter dem Nörgeln etwas Wertvolles steckt?
Nicht jeder Einwand ist berechtigt. Und natürlich gibt es Menschen, die tatsächlich in fast allem zuerst das Problem sehen. Trotzdem lohnt sich ein zweiter Blick.
Denn gerade die unbequemen Stimmen im Team sehen manchmal Risiken, die andere übersehen. Sie haben Erfahrungen gemacht, kennen Schwachstellen oder möchten gehört werden – wählen dafür aber einen wenig hilfreichen Weg.
Wer ihre Einwände reflexartig abbügelt, erreicht deshalb häufig genau das Gegenteil:
- Der Widerstand wird größer.
- Aus einem Einwand wird eine Grundsatzdiskussion.
- Aus Skepsis wird Ablehnung.
- Und aus einem kritischen Mitarbeiter möglicherweise ein permanenter Gegenspieler.
Manchmal braucht es überraschend wenig
Was passiert, wenn wir nicht sofort argumentieren, sondern zunächst wirklich zuhören? Wenn wir fragen:
„Was genau macht Ihnen Sorgen?“ Oder: „Was müsste aus Ihrer Sicht passieren, damit es funktionieren kann?“
Plötzlich verändert sich die Rolle. Aus demjenigen, der nur dagegen ist, kann jemand werden, der mitdenkt. Aus der Kritik kann ein konkreter Hinweis werden. Und aus einem Bedenkenträger vielleicht sogar ein Mitgestalter.
Das bedeutet nicht, jede Kritik zu übernehmen oder jeder Forderung nachzugeben. Es bedeutet zunächst nur: Die Person und ihren Einwand ernst genug zu nehmen, um genauer hinzuhören.
Die entscheidende Führungsfrage
Vielleicht ist deshalb bei notorischen Nörglern nicht nur interessant: „Wie bekomme ich dieses Verhalten weg?“
Sondern auch: „Was braucht dieser Mensch, damit er seine kritische Energie für das Team einsetzt – statt gegen das Team?“
Manchmal reichen kleine Veränderungen in der Kommunikation, um eine erstaunlich große Wirkung zu erzielen. Und genau darin zeigt sich Führung: nicht darin, unbequeme Stimmen zum Schweigen zu bringen, sondern darin, sie so einzubinden, dass am Ende möglichst alle am selben Strang ziehen.
In meinen Führungstrainings schauen wir uns genau solche Situationen an: Wie gehen Sie mit Bedenkenträgern, Dauer-Kritikern und schwierigen Persönlichkeiten um, ohne endlose Diskussionen zu führen – und ohne wertvolle Hinweise vorschnell zu verlieren? Wie können Sie Nörgler und Besserwisser zu wertvollen und geschätzten Teammitgliedern machen?

Comments (0)